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Eine schöne Mauer mit schiefen Steinen

Ein Mönch hatte die Aufgabe im Kloster eine Mauer zu bauen. Da er noch nie zuvor gemauert hatte, war diese Aufgabe nicht einfach. Aber er gab er sich die größte Mühe, alle Steine gerade und gleichmäßig einzupassen. Als die Mauer schließlich fertig war, wollte er sein Werk begutachten. Da sah er, dass zwei Steine schief in der Mauer saßen. Ein grauenhafter Anblick!

Als einige Monate später ein Gast die Mauer im Klostergarten anschaute, sagte er: „Das ist aber eine schöne Mauer!“ Der Mönch erwiderte: „Mein Herr, haben sie etwa einen Sehfehler? Fallen ihnen denn nicht die beiden schiefen Mauersteine auf?“ Der Gast antwortete: „Natürlich sehe ich die beiden mangelhaften Backsteine, aber ich sehe auch hunderte gut eingesetzte Steine.” Der Mönche war überwältigt. Zum ersten Mal sah er, neben den beiden mangelhaft eingesetzten Mauersteinen, auch die vielen anderen Steine, die gut eingesetzt waren.

Der Mönch in dieser Geschichte übernimmt eine Aufgabe, für die er noch keinerlei Erfahrung hat. Da ist es nur verständlich, dass nicht alles perfekt klappt. In vielen Bereichen geht es uns so ähnlich mit der Coronavirus-Pandemie. Wir haben noch keinerlei Erfahrung, wie wir am besten damit umgehen. Daher ist manches etwas schief und krumm und ungewiss. Das trifft auch auf die Planungen für Weihnachten und für das Neue Jahr, weil die weitere Entwicklung niemand absehen kann. Bei aller Ungewissheit und Sorge möge uns die Anregung des Gastes helfen, dass wir neben den krummen und schiefen Steinen auch sehen können, was gut und schön ist.

Wie in der Geschichte braucht es dafür manchmal die gegenseitige Unterstützung, dass wir einander darauf hinweisen, was gerade schön und gut ist. Ich denke, dass ist auch ein Grund, wieso Jesus auf unsere Erde kommt: Er will das Schiefe und Krumme im Leben zusammen mit uns tragen. Er will uns das Schöne und Gute im Leben zeigen. Und er trägt selber dazu bei.

Für die Advents- und Weihnachtstage wünsche ich uns, dass wir ihn mit seiner Liebe bei uns aufnehmen, wenn er mit seinem Segen einkehrt in jedes Haus. Euer Pfarrer Dieter Hammer

 

Anders

Jesus hat sich bei mir eingeladen. Er fragt nicht lange vorher, ob ich vielleicht in der nächsten Woche mal Zeit hätte und er kommen könnte. Nein, er ist da sehr spontan. Klingelt, fragt „Darf ich reinkommen“ und ist einfach da.

„Weißt Du schon, wie das Wort des Jahres 2020 heißt“, frage ich ihn zwischen zwei Vanillekipferl. „Was soll das sein“, fragt er zurück. „Das ist ein Wort, das das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres abbildet“, gebe ich mein Wikipedia-Wissen preis und schiebe das Wort des Jahres 2020 gleich nach: Corona-Pandemie. Jesus sagt erstmal nichts. Und dann, nach einer kleinen Pause des Nachdenkens, sagt er, fast schon beiläufig: „Ich finde, das Wort des Jahres 2020 müsste anders heißen“. „Jaaa?“, frage ich ganz gespannt, „wie denn?“. Jesus guckt mich an, als ob ich etwas begriffsstutzig wäre. „Na, anders“. Es dauert etwas, bis ich kapiere, was er meint. „Das Wort des Jahres soll das Wort ‚anders’ sein?“, frage ich vorsichtshalber noch einmal und sehr pointiert nach, um sicher zu gehen, ob ich ihn richtig verstanden habe. Seine Zustimmung liegt in einem warmen „hm!“

Ich bin von Jesu Worten beeindruckt. Er hat Recht. Das „anders“ bestimmt(e) unsere Leben. Im „anders“ liegt nicht das Bedrohliche und Bedrückende der „Corona-Pandemie“. Im „anders“ liegt (auch) die Veränderung, das Auf-den-Prüfstand-stellen von Althergebrachtem, die Kreativität, das Sich-Einlassen auf Ungewohntes. War nicht so viel anders in diesem Jahr? Und wird anders sein – z.B. wie wir Weihnachten gestalten?

Anders – das ist typisch Jesus. Das fing schon mit seiner Geburt an. Da war ja auch alles anders, als man sich die Geburt des verheißenen Messias vorgestellt hatte. Und weil Gott um menschliche Befindlichkeiten weiß, ließ er seine Boten noch in der Geburtsnacht ausrichten: Fürchtet euch nicht!

Text: Andrea Wilke - in: Pfarrbriefservice.de


 


 

Informationen, Regelungen und Angebote der Kirche in Unterfranken in der Coronakrise

>>> so reagiert das Bistum Würzburg auf die Coronakrise

 

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